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Josef Matthias Hauer

“Zwölftonreihen sind Samenkörner, aus denen die ganz genau bestimmte, von der großen Natur vorgezeichnete Sphärenmusik erwächst.”

 

Josef Matthias Hauer wurde am 19. März 1883 in Wiener Neustadt geboren. Durch sein Auftreten, sein Wirken, seine radikalen, apodiktischen Äußerungen über Musik, Philosophie und Ästhetik, sowie über andere Komponisten, ist er bereits zu Lebzeiten äußerst umstritten. Bekannt ist er vor allem als ein Komponist und Musiktheoretiker, der, nahezu parallel zu Arnold Schönberg, in Wien eine Methode zwölftöniger Komposition entwickelt und pflegt, die sich allerdings von der “Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen” der Zweiten Wiener Schule stark unterscheidet.

 

Im August 1919 formuliert Hauer sein “Gesetz der atonalen Melodie” (das er 1920 in seiner Schrift “Vom Wesen des Musikalischen” publiziert), und schreibt seine erste konsequente Zwölftonkomposition (Op. 19). Im Jahr 1921 entwickelt er die “Tropentechnik”, eine Systematisierung aller möglichen Zwölftonreihen in 44 Paare von Sechstongruppen. In den 1920'er und 30'er Jahren entstehen viele Kompositionen, Solowerke, Kammermusik, aber auch Orchesterwerke (u.a. Orchestersuiten, Konzerte) und zwei Musiktheaterwerke (“Salambo”, “Die schwarze Spinne”).

 

Im August 1940 entsteht das erste “Zwölftönespiel”, ein Musikstück, in dem das freie kompositorische Schaffen möglichst durch Regeln ersetzt wird: Das Zwölftonspiel will nicht mehr die Ideen eines Komponisten musikalisch darstellen, sondern das Walten einer universellen, kosmischen Ordnung. Hauer schreibt bis zu seinem Tod am 22.9.1959 mehrere hundert “Zwölftonspiele”.

 

“Hauer bietet eine Denkform. Die Zwölferordnung führt er (anders als Schönberg) über die Musik hinaus zu den Wissenschaften: Harmonie-Deutungen zu Religionen, Politik, Psychologie, Natur. Erfahrbar wird als Ganzes: eine Vaterfigur im 20. Jahrhundert.”

 

(Verlag Lafite: “Josef Matthias Hauer - ein Fels in der Geistesgeschichte” Österr. Musikzeitschrift, 59.Jhrg, 6/2004, S.33)

 

 

Text: Dominik Sedivy

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